WAS DIE PRESSE ÜBER UNS SCHREIBT:

5

Mai

2017

 

 

 

 

Theateraufführung in der Stadthalle Limburg
"Nathan der Weise"
Über Religion und Wahrheit

05.05.2017
Von Kerstin Kaminsky
05.05.2017 Gott liebt alle Menschen gleich, unabhängig von der Religionszugehörigkeit, wenn sie nur sittlich und in Nächstenliebe leben. So der Kern von Gotthold Ephraim Lessings Schauspiel Nathan der Weise, das am Samstag in der ausverkauften Limburger Stadthalle aufgeführt wurde.

Jerusalem 1190 – Christen, Mohammedaner und Juden bevölkern die Stadt. Als der reiche jüdische Kaufmann Nathan von einer Geschäftsreise heimkehrt, erfährt er von einem Feuer in seinem Haus. Ein Kreuzritter habe seine Tochter aus den Flammen gerettet. Zwischen den jungen Leuten entwickelt sich eine zarte, doch durch die verschiedenen Religionen scheinbar aussichtslose Liebe.

Sultan Saladin wünscht sich Frieden zwischen Christen und Muslimen. Doch seine Kassen sind leer, und er kann seinen Gegnern wenig bieten, damit diese in den Frieden einwilligen. Saladin bittet deshalb Nathan in seinen Palast, um sich von im Geld zu leihen. Bevor jedoch das Kreditgeschäft besprochen wird, stellt der Sultan seinem Besucher eine heikle Frage: Welche der drei monotheistischen Religionen hat denn nun Recht?

Wahrheit statt Geld
„Ich bin auf Geld gefasst und er will Wahrheit?“, zeigt sich Nathan schockiert. Er ahnt, dass eine falsche Antwort ihm den Kopf kosten kann. Deshalb greift er auf die alte Geschichte um einen zu vererbenden Ring zurück und vergleicht Religion mit Vaterliebe. Aus der Parabel lässt sich schließen, dass Gott die Menschen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit gleichermaßen liebt. Jede der drei großen Religionen kann die „echte“ sein. Jedenfalls sollten ihre jeweiligen Anhänger davon ausgehen und es durch Sittlichkeit und Nächstenliebe zu beweisen versuchen. Der Sultan versteht und ist beindruckt. Gerührt von Nathans Humanität bietet er ihm die Freundschaft an.

Im Fortgang von Lessings Drama zeigt sich, dass Nathans Tochter Recha einer christlichen Familie entspringt und als Baby adoptiert wurde. Nicht nur das – tatsächlich sind Recha und ihr Liebster, der christliche Tempelritter, Geschwister. Beide sind Kinder von Saladins Bruder, was die enge Verknüpfung der drei großen Religionen noch einmal unterstreicht.

Neben dem Stammpublikum der Limburger Theaterabende saßen ungewöhnlich viele Jugendliche im Publikum. So auch die 16-jährige Lea Stingl und ihre gesamte 10. Klasse der Fürst Johann Ludwig Schule, die zuvor das Buch im Unterricht gelesen hatte. „Das Bühnenstück ist toll umgesetzt“, fand Lea Stingl. Ihre liebste Person sei Nathans Tochter Recha, weil sie sich mit ihr identifizieren könne. Allerdings fand sie schade, dass der Tempelritter sich so schnell mit der Aussichtslosigkeit ihrer Liebe abgefunden habe. Alessa Dux und Anna Sophie Hack sind Schülerinnen der ARS. Auch sie haben das Buch im Unterricht gelesen. „Die Sprache auf der Bühne ist zum Glück leichter verständlich, als die endlosen Schachtelsätze des Schriftstellers“, urteilten die beiden 16-jährigen Mädchen.

Moderne Einflüsse
Katharina Seliger (30) ist Deutschlehrerin, kam aber ohne beruflichen Bezug in die Aufführung. „Die Sprache ist authentisch und durch einige moderne Einflüsse – wie die Kleidung des Tempelritters oder der mit einer Kalaschnikow bewaffnete Leibwächter des Sultans – ist die Handlung greifbar“, lobt sie.

Leider ließ die Tonqualität etwas zu wünschen übrig. Fast alle Dialoge waren unterlegt von atmosphärischen Geräuschen der Stadt Jerusalem, die es teilweise schwer machten, die Schauspieler zu verstehen.

Sehr schön war hingegen das Bühnenbild. Ohne Umbau, lediglich durch wechselnde Beleuchtung und wenige Requisiten, wandelte sich die Szene immer wieder zwischen innen und außen, zwischen Sultanspalast, Kloster oder Nathans Heim. kka

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5

Dezember

2016

 

 

 

 

Theateraufführung in der Stadthalle Limburg
"Honig im Kopf" Zum Lachen und zum Weinen

05.12.2016
Von JOHANNES KOENIG
Es fängt spaßig an, aber schnell bleibt den Zuschauern das Lachen im Halse stecken: Die Theaterversion des deutschen Kinohits "Honig im Kopf" überzeugte in der voll besetzen Stadthalle mit einer gelungenen Mischung aus Humor, Nachdenklichkeit und Tragödie.

Im Zentrum der Geschichte steht Großvater Amandus (gespielt von Achim Wolff), der an Alzheimer erkrankt. Sein Sohn Niko (Karsten Speck) ist hin- und hergerissen zwischen Pflichtgefühl und der Liebe zu seinem Vater sowie der Erkenntnis, dass die Unterbringung in einem Heim wohl die beste Lösung sei. Wobei lange Zeit offenbleibt, ob die Unterbringung nicht in Wirklichkeit eine Abschiebung sowie die Entledigung einer lästigen Pflicht darstellt.

Reise nach Venedig
So jedenfalls empfindet es Nikos Tochter Tilda (Anne Bedenbender), die ihren Großvater vergöttert. Die aus dem Lahn-Dill-Kreis stammende Schauspielerin überzeugt in der Rolle als Teenager, der ständig zwischen Altklugheit, jugendlicher Unbekümmertheit und Naivität hin- und herpendelt. Das fällt um so mehr auf, da sich ihre Eltern gerade in einer handfesten Ehekrise befinden und sich daher selbst zeitweise wie verbockte Kinder benehmen.

Wohltuenderweise wird aber Mutter Sarah (Astrid Kohrs) nicht auf die Rolle der widerborstigen Karrierefrau reduziert, deren Lebenswelt von Amandus’ zunehmender Demenz gründlich durcheinandergewirbelt wird.

Erstes Opfer seiner zunehmenden Verwirrtheit wird die geliebte, über Jahre sorgsam gepflegte Hecke. Diese kürzt Amandus kurzerhand auf eine Höhe von zehn Zentimetern herunter. "Nein, Du solltest nur zehn Zentimeter abschneiden", klagt Sarah nach dem Malheur. Nächstes Opfer sind ihre beigefarbenen High Heels, die beim Kuchenbacken im Ofen landen. Und auch das jährliche Gartenfest wird zum Desaster, nachdem versehentlich am helllichten Tag das Feuerwerk ausgelöst wird.

Das ist jetzt aber übertrieben, da tragen sie zu dick auf, wird sich mancher bei der Aneinanderreihung der Katastrophen gedacht haben. Und tatsächlich ist zu hoffen, dass niemand einem Demenzkranken eine elektrische Gartenschere in die Hand drückt, oder ihn unbeaufsichtigt in der Küche werkeln lässt. Alles andere aber ist wahr: "Was Alzheimer mit Personen anstellt, ist wirklich furchtbar. Die verhalten sich wirklich so", bestätigt eine Zuschauerin aus eigener Erfahrung.

Vielleicht ist angesichts der "hässlichen" Realität die Auflösung der Geschichte vielleicht doch ein bisschen zu aufgeräumt und märchenhaft: Amandus und Tilda beschließen, nach Venedig zu fahren, und kommen dort, trotz mancher Komplikationen, heil und in einem Stück an. Besorgt reisen ihnen Niko und Sarah hinterher und versöhnen sich während der Fahrt. Amandus bleibt noch eine Zeit bei seiner Familie, bevor er doch ins Heim muss. Dort wird er bis zu seinem Tod täglich von Tilda besucht.

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27

Juni

2016

 

 

 

 

70 Jahre und ein bisschen leise

VON ANKEN BOHNHOST-VOLLMER
Klein, aber fein gestaltete die Kulturvereinigung ihre Jubiläums-Matinee in der Josef-Kohlmaier-Halle. Rund 100 Gäste kamen am Sonntagmittag zu der Feierstunde mit Musik, Theater, Glückwünschen - und auch mit einigen kritischen Tönen.

Limburg. Mit der Kultur ist es wie mit einem schönen Blumenstrauß, den die Gastgeberin überreicht bekommt: Nötig ist das Bouquet nicht, aber freuen wird sie sich trotzdem, zitierte der ehemalige Bürgermeister Martin Richard Alt-Bischof Kamphaus in seinem Grußwort zum Jubiläum der Kulturvereinigung.

Seit sieben Jahrzehnten trage die Kulturvereinigung zum kulturellen Leben der Stadt bei. Ihr Angebot sei längst ein wichtiger "weicher" Standortvorteil, den auch die Kommunalpolitiker zu schätzen wüssten, erklärte er. Umso bedauerlicher sei es, dass die Mandatsträger bei kulturellen Veranstaltungen in der Stadthalle eher selten anzutreffen seien - obwohl man, wie Peter Schreiber, Vorsitzender der Kulturvereinigung, betonte, bei dem breit gefächerten Programm aus klassischen Konzerten und Theaterproduktionen wunderbar vom "politischen Alltag abschalten" könne.

Viel Idealismus
Er freue sich, dass der jetzt amtierende Bürgermeister Dr. Marius Hahn die Schirmherrschaft für die Kulturvereinigung von seinem Vorgänger übernommen habe und damit den 1946 erteilten kulturellen Bildungsauftrag unterstützt.

Damit diese Aufgabe auch weiterhin finanziert werden kann, bekräftigte Hahn in seiner Ansprache, dass die Stadt sich auch künftig "in gewohnter Weise" engagieren wird. Dabei sei ihm durchaus bewusst, dass es nicht immer leicht sei, "kulturelle Leckerbissen" auf die Bühne der Stadthalle zu holen.

Neben bisweilen zähen Verhandlungen seien viel "Zeit, Idealismus und Herzblut" notwendig, sagte Bürgermeister Hahn. Er hoffe, dass die Kulturvereinigung weiterhin die kulturelle Vielfalt garantiere.

Das bekräfigte auch Guido Lindeken, Geschäftsführer der Josef-Kohlmaier-Halle, die seit 40 Jahren als Partner der Kulturvereinigung fungiert. Die Halle biete sämtliche technische Erfordernisse, und die Kulturvereinigung fülle die Räumlichkeiten mit klassischer Kultur, deren Qualität sich nicht in Bilanzen ablesen lasse. Im Gegenteil. Der Verein habe in der Vergangenheit bewiesen, dass er mit seinem Programm gerade nicht jedem Trend hinterherlaufe. Vielmehr habe er ein Gespür für kulturelle Entwicklungen und konzentriere sich auf höchste Qualität. Der Verein hat mit seinen nunmehr 70 Jahren "nicht graues, sondern volles Haar", bemühte er sich die Berichterstattung dieser Zeitung (NNP vom 22. Juni) zurechtzurücken.

Schöne Beiträge
Dass die künstlerischen Akzente in der Stadthalle von jungen Menschen gesetzt werden, zeigten die beiden Pianistinnen Annika Räuschel und Josefine Schmirl. Die 16-jährigen Kreismusikschülerinnen beeindruckten mit Frederic Chopins "Fantasie - Impromptu" sowie mit der Etude Nr. 1 und dem vierhändig gespielten "America" von Leonard Bernstein. Sie zeigten, dass unbekümmerte Spielfreude, Sebstbewusstsein und Souveränität in dieser Reinstform nur junge Musiker präsentieren können.

Um die kulturellen Ambitionen des Vereins in ihrer Gesamtheit zu zeigen, hatte Peter Schreiber auch das inklusive Theaterensemble "Die Zwiebelfisch-Spielleute" aus Runkel-Schadeck zur Jubiläumsfeier eingeladen. Mit wenig Requisiten, aber viel Ausdruckskraft hatten sie fünf besondere Sommerszenen vorbereitet, in denen sich etwa die von den Ferien gelangweilte Tochter in ein gackerndes Huhn verwandelt. In einem anderen Bild werden Mücken gejagt, weil sie leichter zu erlegen sind als Elefanten. Oder es entspinnt sich ein Dialog zwischen Metzgersfrau und Kundin, die auf ein "Rinderfilet ohne Knochen" besteht und schließlich von der entnervten Verkäuferin mit einem Kotelett vertrieben wird.

Auch diese Kleinkunst ist Kultur, die die Kulturvereinigung in ihrer Jubiläums-Matinee würdigte.



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22

Juni

2016

 

 

 

 

70 Jahr, graues Haar

VON ANKEN BOHNHORST-VOLLMER
Am kommenden Sonntag feiert die Kulturvereinigung ihr 70-jähriges Bestehen. Die Rückschau fällt positiv aus, doch die Aussichten sind nicht ungetrübt. Insbesondere die Nachfrage nach klassischen Konzerten sinkt.

Limburg. Christoph und Julian Prégardien, Julia Kleiter, das Radiosinfonieorchester Frankfurt, die Junge Deutsche Streicherphilharmonie sowie bundesweit renommierte Tourneetheater und Wanderbühnen - die Liste der Künstler, die die Kulturvereinigung während der vergangenen 70 Jahre auf die Bühne der Stadthalle holte, ist lang. Die Bilanz ist positiv, sagt Werner Schmich, ehemaliger Vorsitzender der Kulturvereinigung und dessen Mitglied seit rund 50 Jahren.

Weniger Musik-Abos
Jedenfalls bei den Theaterinszenierungen, formuliert sein Nachfolger Peter Schreiber zurückhaltend. Populäre Bühnenstücke wie etwa das im Frühjahr gespielte "Frau Müller muss weg" ziehen die Zuschauer an. Auch das klassische Theater erfährt nach wie vor großen Zuspruch. Tatsächlich ist bei Theaterproduktionen der große Saal bisweilen ausverkauft. Bei den Klassik-Konzerten haben sich dagegen im Laufe der Jahre die Reihen geleert. Die Zahl der Musik-Abonnements ist auf 220 zusammengeschrumpft, während für die Theaterreihe in der laufenden Spielzeit immerhin noch 300 Dauerkarten verkauft wurden.

"Das Interesse an klassischer Musik hat nachgelassen", sagt Werner Schmich. Dabei fehle auch den jüngeren Hörern keineswegs der Zugang. Denn dass auch Jugendliche klassische Werke musizieren, zeige der Zulauf, den etwa die Kreismusikschule erlebe. Und auch auf der Bühne in der Stadthalle habe man in der Vergangenheit bemerkenswerte musikalische Beiträge junger Künstler gehört. Zum Beispiel vom Jugendsinfonieorchester Hessen, das alle zwei Jahre in Limburg gastiert. Die begabtesten Nachwuchsmusiker aus dem Land spielen in diesem Ensemble zusammen, und deren Spielfreude und Energie zu erleben, sind stets Höhepunkte im Konzertprogramm, findet Schmich.

Der ehemalige Vorsitzende der Kulturvereinigung ist überzeugt: An der Qualität können die rückläufigen Besucherzahlen nicht liegen. Die ist nach wie vor sehr hoch und soll auf diesem Niveau bestehen bleiben - gerade auch, um sich gegenüber Konzertreihen, wie sie beispielsweise in Weilburg oder im Oraniensteiner Schloss etabliert wurden, zu positionieren.

Als Reaktion auf die sinkende Nachfrage habe man folglich die Quantität des Angebots auf derzeit sechs Konzerte reduzieren müssen. Das sei schade, aber kein Limburg spezifisches Problem, versichert Schmichs Nachfolger Peter Schreiber. "Uns geht es wie allen anderen Kulturvereinigungen auch." Der Altersdurchschnitt der Hörer liegt mittlerweile zwischen 60 und 70 Jahren. Die Zahl der Abonnenten verringere sich nicht, weil die Damen und Herren mit dem Programm unzufrieden seien, sondern weil sie altersbedingt weniger unternehmen oder sterben.

Konzepte, um die Akzeptanz der Klassik-Konzerte zu erhöhen, sind dringend nötig und Peter Schreiber zufolge auch - zum Teil - vorhanden. So wurde die Veranstaltung "Kultur am Nachmittag", die bereits Werner Schmich initiierte, um zwei Vorabend-Konzerte erweitert, die jeweils um 18 Uhr beginnen. Das könnte besonders älteren Besuchern zugutekommen, meint Schreiber, weil in den früheren Abendstunden die Verkehrsverbindungen besser seien. Überlegt wird auch, einen anderen Spielort zu wählen, beispielsweise die Annakirche, sagt Schreiber. Allerdings: "Die Stadthalle ist für uns eigentlich optimal, weil alles da ist und funktioniert - aber wenn sie halb so groß wäre, wäre es besser."

Zu wenig Sponsoren
Doch Saalgröße und technische Ausstattung allein werden den Fortbestand der kulturellen Höhepunkte nicht sichern können. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen müssen stimmen, sagt Werner Schmich. Die Zuschüsse seitens der Stadt liegen bei jährlich 65 000 Euro, und "das hat sich seit zehn Jahren nicht geändert". Wie mit diesem Budget auch künftig hochkarätige Musiker und Orchester eingekauft werden sollen, scheint ihm fragwürdig. Denn auch Sponsoren zu gewinnen, werde immer schwieriger. Unterstützung für sportliche Leistungen werde schnell gewährt. Aber "klassische Musik ist längst nicht mehr im Mittelpunkt" der öffentlichen Wahrnehmung.



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